Sexualität und Brustkrebs

Willkommen zu einem der schwierigsten Themen beim Brustkrebs. Mir geht es wie vielen: meine Sexualität hat sich verändert. Nicht nur die fehlenden Brüste, Narben und Schmerzen zogen dies mit sich, auch die Austrocknung der Schleimhäute durch die Chemo und die Eierstockentnahme (bei anderen durch die Hormonersatztherapie) führt zu einem Libidoverlust, der kaum zu ertragen und für mich noch schwerer zu akzeptieren ist.

Unsere Beziehung – seit Ende 1997 – basierte lange Zeit auf sehr leidenschaftlichen Sex. Und plötzlich reagiert der Körper nicht mehr wie gewohnt – das hat mich sehr lange Zeit zur Verzweiflung getrieben. Die Veränderung von eher leidenschaftlich in eher partnerschaftlich muss sicher jede Beziehung durchmachen – nur hier wurde sie „künstlich herbeigeführt“, so dass mein Kopf, mein Verständnis nicht hinterher kam. Ich habe mich lange nicht getraut, diese Verzweiflung anzusprechen – ich habe gewartet dass mir mein Körper die alte Leidenschaft zurück gibt. Hat er aber nicht. Also musste ich akzeptieren, dass ich mich verändern, die Vergangenheit verabschieden, ein neues Kapitel aufschlagen muss.

Also haben Hendrick und ich uns zusammengesetzt. Ich habe ihm Foren-Beiträge anderer Frauen zu dem Thema vorgelesen und ihm erzählt, wie es mir geht. Ich bin so froh über diesen Schritt. Diese Offenheit erlaubt es uns, ohne Druck uns gegenseitig wieder neu zu entdecken, ob im Sex oder anderen partnerschaftlichen Belangen.

Eine sehr große Veränderung muss ich feststellen: Es war damals eine wunderschöne Zeit – aber Sex hat jetzt nicht mehr die Priorität, die er damals hatte. Der Verlust dieser Zeit tut immer noch weh – aber ich bin jetzt wieder neugierig, was noch kommt!

Ich kann nur immer wieder sagen: Danke, Hendrick!

Hierzu auch Hendricks Artikel bei stern.de

Der Check-up nach 5 Jahren

Heute war der „5 Jahre danach Nachsorge-Termin“. Alles super! Was für eine Freude!

Jeder Nachsorge Check-up ist immer wieder eine fürchterliche Tortur! Die Sorge nimmt langsam Besitz von mir. Sie kommt mit dem Tag, an dem ich merke, daß es wieder Zeit ist, einen Termin zu machen. Sie wächst weiter bis ich wirklich einen Termin mache. Dann breitet sie sich aus und ich falle immer wieder darauf rein und werde ziemlich unkonzentriert, schlaff und -ähm -oft unleidlich – bis sie nach der Untersuchung plötzlich weg ist.

Die Sorge baut in mir in den Tagen das Bild vom Tag der Diagnose auf: Es kann passieren, dass sich dein Leben innerhalb einer Sekunde komplett verändern – und es kann ja sein, daß der anstehende Check-up wieder so etwas bewirkt.

Es ist aber alles gut und Hendrick und ich haben ausgiebig gefeiert!

Jetzt sagen viele: oh, nach 5 Jahren ist die Gefahr gebannt. Ich sehe das nicht so. Mamis erste Diagnose war im selben Alter wie meine, identisch mit meiner. 7 Jahre später kam die Diagnose für die andere Brust. Daher fühle ich mich nicht sicher, auch wenn ich die zweite Brust – unter anderem aus diesem Grund – habe abnehmen lassen. Sicher ist sicher. Daher gehe ich noch weiterhin alle 6 Monate zur Vorsorge.