Ich liebe Sauna! Allerdings kann ich nicht mehr so saunieren, wie früher: Oben liegen ist fast unmöglich, da die linke Achselhöhle wegen der fehlenden Lymphknoten dick wird, mein Kreislauf spielt beim ach so geliebten Aufguss nicht mehr so mit und ich kann mich nicht mehr überwinden die superkalte Dusche danach zu nehmen.
Hinzu kommt natürlich das Problem der öffentlichen Sauna. Hier achte ich sehr darauf, was für eine Sauna ich besuche: das Publikum sollte auf jeden Fall nicht spießbürgerlich oder körperbesessen sein. In Fitnessbuden gehe ich z.B. gar nicht mehr in die Sauna – dort gehen die meisten raus, wenn ich rein komme. Auch wenn ich eigentlich drüber stehen sollte – es macht mich noch immer ein wenig traurig und dann kann ich mich nicht richtig entspannen. Wieso sollte ich nicht in die Sauna gehen – jede Frau mit egal wie aussehendem Busen oder jeder Mann mit Schmerbauch eckt nicht an – aber ich und das nur wegen 2 Narben.
Also geht die Reise in die Wellness-Tempel. Dort fühle ich mich relativ unbeobachtet und meist gibt es unterschiedlich geheizte Saunen (finnische Sauna, Heusauna, Kräutersauna, Lichtsauna, Biosauna, Dampfbad, türkisches Bad etc.) unter denen ich wählen kann. In großen Saunaanlagen findet man auch immer einen Platz für sich und dadurch, dass sie meist nicht im direkten Heimatumfeld liegt ist die Anonymität fast gewährleistet.
Doof, aber schon oft beobachtet: Reaktionen von Müttern, deren Kinder sich nach meinem Anblick fragend an sie wenden: ich kassiere einen bösen Blick à la „wieso konfrontieren Sie mich und meine Kinder mit den Narben?“ und meist gehen sie schnell wieder raus. Liebe Mütter, die bisher so reagiert haben: ihr habt den Moment verpasst euren Kindern eine Volkskrankheit undramatisch zu erklären, denn ich bin – so finde ich – ein schönes Beispiel dafür, dass das Leben auch nach blöden Schicksalen immer weiter geht!
Mein rührendstes und gleichzeitig traurigstes Erlebnis in einer Sauna: Eine Frau kam herein, sah mich und sagte: „ach! Sie haben alles richtig gemacht! Ich habe so um meine Brüste gekämpft, wollte sie nicht amputieren lassen. Nun habe ich Metastasen im ganzen Körper und nur noch ein paar Monate zu leben“. Wieviel Frauen sind wohl schon gestorben, weil sie um ihren Busen gekämpft haben?
