Heute zum Thema „Entscheidung Brustamputation einseitig, beidseitig, brusterhaltend etc“. Die Busenentscheidung. Und die zweite Busenentscheidung – Aufbau ja – nein und welche Methoden.
Die Busenentscheidung 1 + 2 / neue Beiträge im oben ohne-stern.de blog




Ich, selber Brca1 positiv, habe nicht den Mut dazu. Meine Brüste bedeuten mir alles. Ich bin ihnen emotional einfach zu sehr verbunden. Meine komplette sexuelle Befriedigung beruht auf meinen Brüsten. Leider bin ich, laut Ärzten, aufgrund einer, ich sage jetzt mal kleinen organischen Fehlbildung (ich habe es nie als Problem empfunden), nicht in der Lage äußerlich klitoral einen Orgasmus zu erzeugen. Ich wüsste nicht, wie ich es verkraften sollte komplett ohne sexuelle Befriedigung zu leben. Und ein bisschen andere Körperregionen streicheln zählt, finde ich zumindest, nicht. Vielleicht bin ich einfach noch zu jung, 34, für so eine Vorstellung. Vor einer Op ist das immer leicht gesagt, alles ab. Aber wenn das Bein, der Arm, die Brust etc. einmal ab sind, gibt es kein zurück mehr. Und der Aufbau ist eben leider was Gefühl und damit einhergehende Emotionalität angeht, noch lange nicht perfekt. Auch wenn man heute schon unglaublich weit ist. „Resensation after mastectomy“ ist in den USA schon weiter verbreitet. Interessant eigentlich, wenn man bedenkt, dass man über solche Mikrochirurgischen Vorgehensweisen schon ziemlich lange bescheid weiß. In Bezug auf medizinische Strategien zur Bewältigung der sexuellen Nachwirkungen einer Krebsbehandlung sind Männer den Frauen buchstäblich Jahrzehnte voraus. Chirurgen entwickelten vor langer Zeit nervenschonende Verfahren um das Risiko von Impotenz zu reduzieren. Das erste, was der Arzt meinem Opa 1999 nach der ersten Untersuchung gesagt hatte war: „Machen sie sich keine Sorgen, es wird alles wieder wie vorher und wenn sie doch Hilfe brauchen, kriegen wir das hin mit Medikamenten oder speziellen mechanischen Geräten.“ Ich dachte immer, die Krebstherapie sollte den ersten Vorrang haben. Bei Männern wird schon sehr lange aktiv gehandelt. Und ein, „Ach komm schon, ich hatte genug Sex, jetzt lebe ich halt ohne“, gibt es bei Männern nicht. Es wird offen geredet, was man am besten tun kann, um minimalinvasiv zu operieren. Wir Frauen sollen immer nur akzeptieren. Es sind ja nur Brüste, die braucht man ja eigentlich nicht. Jetzt haben sie sich nicht so. Das aber ein Großteil der Frauen ihre Brüste sehr wohl gerade im Bett brauchen, darüber wird nicht gesprochen. Ich bin selber im medizinischen Bereich tätig (Logopädie) und es ist manchmal echt grausam, was ich schon für böse Kommentare von Ärzten in der Kantine beim Mittagessen über ihre Patienten nach Mastektomien oder anderen chirurgischen Eingriffen gehört habe. Einer Freundin wurde im Januar die Brust abgenommen. Sie heult jeden Tag zu Hause. Wo bleibt die Psychoonkologische Hilfe? 2 Gespräche im Krankenhaus und fertig. Das wars. Ich finde es traurig, wie Frauen in solchen Situationen oft behandelt werden. Und nicht jede ist stark genug für „going flat“. Ich wünschte, ich könnte so einfach sagen, ab damit und gut. Aber leider kann ich es nicht. Schon der Gedanke bereitet mir Schweißausbrüche und treibt mir Tränen in die Augen. Und ich habe noch nicht einmal Krebs. Ich bin keine Amazone. Eigentlich gibt es die Brustlosen Amazonen ja auch gar nicht. Es ist nur ein Gerücht von einem Historiker aus dem 5. Jahrhundert. Schon damals hat ihn keiner ernst genommen. Aber irgendwie hat die Geschichte sich durch die Jahrhunderte gehalten. Wahrscheinlich hat diese Legende gut ins Patriarchat gepasst. Die bösen männerhassenden Frauen, die ihre männlichen Kinder töten und die sich angeblich verstümmeln. Ich wünsche auf jeden Fall allen Frauen, die diesen schweren Weg gehen müssen Gesundheit. Körperlich und seelisch. Oft hat man keine Wahl und wenn man eine Wahl hat, sollte man auf seine ureigene Entscheidung hören dürfen und auch vertrauen können. Ohne dass einem Ärzte, Freunde, Verwandte oder wer auch immer da reinreden.
Liebe Linda, das tut mir von Herzen sehr leid. Durch die BRCA Ansage hast Du ja alle Möglichkeiten der Vorsorge und die Möglichkeiten zur Heilung bei früher Erkennung sind ja sehr vielseitig und derzeit liegt die Heilungsquote bei ca. 95%. Niemand muss sich präventiv die Brüste abnehmen lassen.
Meine Mutter hatte die gleiche Diagnose wie ich im gleichen Alter: Linke Seite, gleiche Größe. Sie hat damals nur eine Seite abnehmen, Einige Jahre später war der Krebs auch in der anderen Brust und dab dem Moment war er nicht zu stoppen – 5 Krebserkrankungen in 20 Jahren bis sie 3 Tage nach meiner Diagnose starb. Nun – mein Leben ist mir sehr sehr wichtig. Ich trage Verantwortung für meine Kinder, meinen Mann – ich liebe sie und meine Freunde. Daher habe ich mir neben der zweiten Brust mit 40 Jahren auch die Eierstöcke prophylaktisch entfernen lassen. Daraufhin hatte ich über sehr viele Jahre Libidoprobleme – heisst: vergleichbar mit einem Mann habe ich „keinen hoch“ bekommen. Dieses Problem ist sehr bekannt, wird intensiv diskutiert und behandelt. Vor allem, weil ca. 80-90% der Frauen, die mit dem Langzeittherapeutikum Tamoxifen behandelt werden auch darunter leiden, genau wie ca. die Hälfte aller Frauen in der Menopause.
Mein Mann und ich hatten bis dahin den absoluten Megasex. Danach jahrelang nicht mehr. Aber auch das haben wir hinbekommen – nun läuft es wieder.
Dass Deine Freundin so schlechte Erfahrungen gemacht hat, tut mir leid – allerdings muss ich sagen, dass es in jedem der über 200 deutschen Brustzentren, jeder Reha, inzwischen genügend sehr gute Psycho-Onkologen gibt. Leider rennen die natürlich nicht hinter einem her – man muss schon selbst eindringlich danach fragen.
Die Amazonen waren ein starkes, kriegerisches Volk. Die Herkunft des Names ist umstritten, in der Antike (800 v.C. – 500 n.C.) haben viele Autoren die Bezeichnung auf das griechische Wort a-mazos (brustlos) zurückgeführt, Darstellungen zeigten sie fast immer mit einer bedeckten Brust, die recht Brust frei um den kriegerischen Aspekt hervorzuheben, der Busen ist beim Führen des Bogens sonst im Weg. Ich finde das sehr respektvoll dem Volk gegenüber. Ob der Busen abgebunden, entfernt oder ganz normal war ist für mich aber nicht so wichtig – ich berufe mich auf die Stärke, die ich in diesem Volk erkenne.
Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute.