„Endlich zieht sie sich an“

Wir lagen am ibizenkischen Strand von Salinas vor der Edel-Hippie-Beach-Bude Sa Trinxa. Es war ein toller Tag, es wurde Zeit zu gehen. Als ich mir mein Kleid überzog, hörte ich es von hinten im schwäbischen Tonfall zischen: „Wird aber auch Zeit, dass die sich anzieht!“ Das kam hart und es tat weh. Dies war das erste Mal in neun Jahren, dass mich jemand am Strand verletzt hat. Und das auf der Insel, deren Maxime lautet: Leben und Leben lassen.

Wir fahren sehr gern nach Ibiza. Die Gerüche, die Farben, das Meer, die Leute und die Freiheit sagen uns sehr zu. Jeder Besucher weiß, dass Kritik an diesem Fleck der Erde nichts zu suchen hat. Dicke, arme, reiche, schöne, hässliche, schlaue, kreative, verrückte und dumme Leute geben sich die Hand, schwimmen, sonnen und tanzen miteinander. Und das ist auch gut so. Umso schlimmer empfand ich den Kommentar von dieser Möchtegern-Dame. Sie hing mit ihrer Freundin, ihren beiden Männern und noch einem Typen vor dem Sa Trinxa, Salinas ab. Zugegeben, ein relativ elitärer Strand, doch dieser Abschnitt bemüht sich noch um Lässigkeit. Die zugehörigen Männer der Damen, wohlhabende ältere Schwaben, irgendwie süss, groovten die ganze Zeit zur Musik und hatten definitiv viel Spaß – allerdings nur mit sich, nicht mit ihren Frauen. Die Damen lästerten unentwegt – worüber auch immer. Eigentlich wollte ich mir nur etwas überwerfen als der Satz kam. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so einen spontan bösen Blick über meine Schulter geworfen.
Wie kann man nur so gemein sein? Menschen kommen nach Ibiza, um frei zu sein. Warum gibt es dann andere Menschen, die die Freiheit nur für sich beanspruchen? Menschen, die sich in ihrer eigenen Normalität gestört fühlen.
Meine zweite Reaktion nach dem Blick war dann, dass ich Hendrick bat, sofort zu gehen. Ich sagte es ihm, erklärte ihm laut, dass hier zwei sehr dumme Frauen seien und wir packten sehr schnell unsere Sachen.
Doch – God is a DJ: 20 Meter weiter erreichte uns ein wunderbares neues Lied. Wir liessen alle Sachen fallen und ergaben uns für 20 Minuten den wunderbaren Klängen aus der Bar, tanzten versonnen im Sand und alles war großartig. Die Gruppe brach auch auf – die Herren lächelten uns freundlich an, die „Damen“ guckten stierig an uns vorbei. Ja – wir haben ein schönes Leben und sind glücklich.

 

3 Gedanken zu „„Endlich zieht sie sich an“

    • Mein böser Blick war nicht ruhig… 😉 Und dann hatte ich noch 24 Std. Tourette … „die F…ze“ 😉
      Aber jedes Wort an sie wäre verschwendet gewesen, denn im Nachhinein hätte ich mir immer gesagt: „ach – vielleicht wäre besser gewesen .,.. zu sagen“
      Kuss – lass uns bald treffen!

Kommentar verfassen